Alle Jahre wieder..

..sind die Strassen voll mit fluchenden LKW-Fahrern, die nicht durch die 3 Flocken kommen, weil die PKW-Fahrer nicht mit dem Winter umgehen können. Von Schnee rede ich hier wohlweislich noch gar nicht, wenn mehr als 1cm liegt, bricht der Verkehr ja erfahrungsgemäß erst einmal völlig zusammen.

Seit heute verbreiten die Radiosender hier oben im Norden wieder Angst und Schrecken, indem sie erzählen, wer im Winter ohne Winterreifen angehalten wird, zahlt 40 Euro und bekommt 1 Punkt. Das ist schlichtweg falsch. Wer auf Eis und Schnee ohne Winterreifen angehalten wird oder einen Unfall hat, der bekommt die Strafe und auf jeden Fall Probleme mit seiner Versicherung. Auf schnee- und eisfreier Strasse ist das Fahren mit Sommerreifen auch im Winter erlaubt, man sollte dann aber bei Schnee das Auto stehen lassen und öffentliche Verkehrsamittel nutzen.

Auf schnee- und eisfreier Strasse ist der einzige Vorteil von Winterreifen, dass sie aufgrund der weicheren Gummimischung mehr Grip haben. Durch ihr Profil haben sie auch Vorteile auf einer frischen Schneedecke (Die ein guter Sommerreifen auch problemlos packt, davon mal ab.), bei festgefahrenem Schnee oder blankem Eis ist dieser Vorteil schnell dahin, denn Physik interessiert sich nicht für Bereifung ;).

Ein Allwetter- oder Ganzjahresreifen tut es nebenbei auch, da kann man sich den Blödsinn mit Einlagerung und Wechsel sparen. Wenn man jedoch auf 2 Sätze Bereifung besteht, so nimmt man den Winterreifen auf Stahlfelge und so schmal, wie es der Fahrzeughersteller zulässt. Diese 375er Schlappen auf Sport-Alus, auf denen sich die fetten AUDI RS und Nobelkarossen im Winter ständig in die Leitplanken wickeln, gehören in den Katalog oder ins Schaufenster, nicht auf die Strasse. Im Winter braucht es mehr Auflagegewicht pro cm², dazu noch eine ruhige Hand am Lenkrad und offene Augen, dann kommt man auch sicher an.

Am besten immer auf die LKW schauen, wenn die langam fahren, ist es glatt. Die Erfahrung und das „Arschgefühl“ sagen uns Brummifahrern ziemlich genau, was wir vom Wetter zu halten haben.

Wer als PKW-Fahrer nett sein möchte, verzichtet auch schonmal auf seine Vorfahrt, wenn ein abbiegender LKW es an einer Ampel endlich geschafft hat, ins Rollen zu kommen. 40t auf dem blank gefahrenen Ende vor der Haltelinie in Bewegung zu bekommen, ist nicht ganz so einfach.

Mehr Rücksicht, mehr Abstand und vor allem mehr Verständnis für den anderen und schon kommen wir alle gut und sicher durch den Winter und vor allem gesund zu unseren Familien nach Hause.

 


2 Kommentare

  1. Alice sagt am 29. 11. 2012 um 19:36

    Diese Liste kannst du ergänzen um:

    Straßenbahnen und Züge haben schon bei trockenem Wetter einen höheren Bremsweg als ein PKW, ganz gleich wie viele PS der haben mag. Wer sich also im Winter noch schnell vor oder an einem Schienenfahrzeug vorbei mogeln will, hat hoffentlich eine gute Lebensversicherung, damit die Lieben wenigstens noch ein bisschen was von Weihnachten haben. Merke: Schienenfahrzeuge können nicht ausweichen! So ’ne Automatik-Kupplung auf dem Schoß macht erheblich weniger Spaß als die Freundin auf dem Schoß! Und der Seiten-Airbag deines 3er BMWs ist auch eher ein suboptimaler Schutz gegen viele hundert Tonnen Stahl auf Schienen. Also: Abstand halten und auch mal auf den ÖPNV Rücksicht nehmen. Oder am besten gleich darauf umsteigen.

    Kommentar

  2. topas sagt am 18. 12. 2012 um 12:47

    Und was ist, wenn der LKW-Fahrer extrem langsam fährt? Letztes Wochenende als PKW-Fahrer erst einen Helden im LKW vor mir gehabt: Von der Autobahn runter, auf eine Bundesstraße rauf, die vorfahrtsberechtigt ist. Die Staßen waren ok, kein Eis, kein Schnee (wenn, ist man auf Salz gefahren – aber die Spur war kaum nass, von einigen Schneematschresten auf der Mittellinie abgesehen). Obwohl ein PKW ankommt zieht der LKW rum, so dass der PKW, den man kommen sah, erst mal von 70 auf 15km/h bremsen dürfte. Dann gurkt der LKW mit 40km/h Spitze über die Bundesstraße, fängt sich auf 2km kaum befahrener Bundesstraße schon 3 weitere PKW und einen weiteren LKW hinter sich ein. Auf der riskantesten Stelle (Fahrt über Brücke), wo am ehesten bei Temperaturen knapp über 0 Grad doch etwas Glätte sein könnte bremst der Held erst mal aktiv ab (statt am Anstieg Geschwindigkeit abzubauen, wenn es ihm zu schnell war).
    An der Ampel dann eigentlich relativ nett gefragt, wieso er nicht 60 gefahren ist. Wurde dann noch – ganz klischeehaft – dumm angemacht, inklusive Androhung von Gewalt („Ich komm gleich raus dann kriegt du eine aufs Maul“).
    Solche Situationen stören dann immer irgendwie das unkomplizierte Miteinander 🙁

    Kommentar

Kommentare sind nicht erlaubt.