Eine Gutenachtgeschichte für Louise

Damals, vor ganz langer Zeit, als Menschen noch mit den Tieren und der Natur in Einklang lebten, als noch Trolle und Einhörner die dichten Wälder durchstreiften und Kobolde und Feen nicht nur Geschichten waren. Damals, als es noch Menschen gab, die mit Tieren reden konnten. Damals, als Katzen noch vom Menschen völlig unabhängige, stolze Geschöpfe waren. In dieser Zeit spielt diese Geschichte.

Die Katzen lebten tief in den Wäldern und am Rande der Steppen, sie lagen den ganzen Tag in der Sonne und träumten, es gab ja noch keine Autos und Städte mit ihren Gefahren und dem ständigen Lärm. Manche fühlten sich zu den Menschen hingezogen und tauschten das Leben im Wald gegen Futter und Zuneigung ein, gaben ihre Unabhängigkeit auf und bekamen dafür die Sicherheit eines warmen Stalles und einer täglichen Mahlzeit im Tausch. Im Winter durften sie in die Häuser und konnten am warmen Ofen dösen, fern aller Entbehrungen der Wildnis.

Die Menschen sprachen mit ihnen und sie schnurrten wohlig, wenn man sie zwischen den Ohren kraulte. Mit der Zeit wurden sie ein fester Bestandteil des menschlichen Lebens, sie brachten Ruhe und Behaglichkeit in die kargen Räume, waren gute Zuhörer, wenn die Menschen ihnen von ihren Sorgen und Nöten erzählten und spendeten Trost in dunklen Momenten.

Die Menschen verlernten mit der Zeit, auf die Natur zu hören. Ihre Sinne stumpften ab, viele verstanden auch die Sprache der Tiere nicht mehr und die Kobolde und Feen konnten sie nicht mehr sehen, weil im harten Alltag kein Platz für Phantasie war. Nur ein paar alte Geschichten und Fabeln blieben aus dieser Zeit übrig, die sich die Menschen an langen Winterabenden gegenseitig am warmen Ofen erzählten. Die Katzen lagen daneben und hörten gespannt zu, ab und zu ein Auge öffnend, wenn die Geschichten falsch erzählt wurden und die Ohren ständig gespitzt, um ja kein Wort zu verpassen.

Das machen sie noch heute, wenn wir gesellig beisammen sitzen und uns gegenseitig Geschichten erzählen. Jede Katze kennt die Märchen aus uralter Zeit und gibt sie an ihre Kinder weiter, so dass der Schatz an Geschichten nicht verloren gehen kann, bis die Menschen wieder die Sprache der Tiere sprechen können. Katzen können auch heute noch die Kobolde und Elfen sehen und sprechen mit ihnen. Es gibt keine Kobolde und Elfen, sagst Du? Hast Du noch nie eine Katze gesehen, wie sie einen Punkt an der Wand oder der Zimmerdecke fixiert, obwohl Du nichts an dieser Stelle sehen kannst? Siehst Du, Katzen können ganz deutlich etwas dort sehen.

Nur, wenn wir wieder den Mut aufbringen, am Tage zu träumen und unsere Phantasie wieder benutzen, wird die Welt auch wieder ein besserer Ort und die Kobolde, Elfen und Einhörner werden für uns wieder sichtbar. Das sollte unser aller Ziel sein.

Und nun wird geschlafen. Ich wünsche Dir schöne Träume von Einhörnern, die unter Regenbögen tanzen..

 

Louise liebt es, auf meiner Brust zu liegen, wenn ich im Bett bin. Wenn ich ihr dann leise eine Geschichte erzähle, schnurrt sie und wirft sich auf die Seite, die Augen geschlossen und mit allen 4 Pfoten im Milchtritt. Ohne Katzen wäre unsere Welt ein ganzes Stück ärmer..


2 Kommentare

  1. der Lüder sagt am 04. 05. 2012 um 18:44

    Schöhöön 😉

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  2. bartgesicht sagt am 05. 05. 2012 um 07:15

    Wie war geschrieben.
    Ohne die Katzen wäre das Leben doch trostlos und leer.
    Man sollte nicht meinen was Katzen doch für feinfühlige Tiere sind. Sie erkennen dich genau und geben dir zur richtigen Zeit genau was du brauchst. Auch wenn man es vielleicht selber nicht so sieht. 🙂

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