Manchmal ist die Summe..

..der Kleinigkeiten zu groß, um einfach ignoriert zu werden. Oder anders gesagt: Ich bin es leid.

Fehlende Strukturen in einer Firma kennt man ja, aber dazu noch diese geballte Inkompetenz, Arroganz und vor allem Unhöflichkeit und mangelnde Teamfähigkeit, das ist auf Dauer unerträglich und lässt sich irgendwann nicht mehr ignorieren. In der Disposition weiß die linke Hand nicht, was die rechte tut und der Fahrer soll es dann richten. Ohne mich.

Wir haben ja die Möglichkeit, Ruhezeiten zu verkürzen oder Schicht- und Lenkzeiten zu verlängern, wenn es mal nötig ist. Das sind freiwillige Leistungen des Fahrers, die nicht honoriert werden. Die Betonung liegt hier auf „freiwillig“, denn laut Gesetz und Fahrpersonalverordnung sind das „Kann“-Optionen, kein „Muss“. Eine einfache Frage „Würdest Du eine 9er machen?“ könnte die Situation unheimlich entspannen, stattdessen wird dann einfach mit einer 9 Stunden Ruhezeit und 15 Stunden Schichtzeit gerechnet, und das 5-6 Tage die Woche, wenn der Fahrer es nicht platzen lässt.

Verweigert man dann die Überschreitung, wozu man sich ja auch arbeitsvertraglich verpflichtet hat, ist Holland in Not und man wird erstmal ordentlich angeblafft, bevor die gegenseitigen Schuldzuweisungen im Büro beginnen. Niemand fühlt sich zuständig, weil ja der andere das verbockt hat und letztendlich muss man dann irgendwie selbst die Situation bereinigen. Da könnte man sich besser gleich selbst disponieren, dann würde es auch klappen.

Es wird ohne Be- und Enladezeit disponiert, keine Staureserven eingeplant und „ab 14.00 Auflieger aufnehmen“ bedeutet, um 14.00 die Tour zu starten. Dass das Tauschen bis zu 1 Stunde dauern kann oder IKEA auch mal schnell 2 Stunden Verspätung hat, interessiert da nicht.

Ich habe es inzwischen aufgegeben, da irgendetwas retten zu wollen. Es wird nur noch nach Liste abgearbeitet, wenn es nicht passt, passt es eben nicht und es wird eine Strafzahlung für die Firma fällig.

Anrufe aus dem Büro sind auch so eine Geschichte für sich. Es wird sich nicht mit Namen gemeldet, die anrufende Telefonnummer ist irgendwie willkürlich gewählt, so dass man nicht weiß, mit wem man überhaupt redet. Da wird bequem zurück gelehnt über die Freisprecheinrichtung telefoniert, man versteht kein Wort, wenn man Umgebungsgeräusche hat und am Ende des Gesprächs wird ohne Verabschiedung aufgelegt. Einwände werden mit „keine Diskussion!“ abgebügelt. Mein persönliches Fazit daraus: Ich telefoniere nicht mehr, schicke nur noch SMS. Die sind halb so alt wie ich und jedesmal juckt es mir in den Fingern, sie für ihre Respektlosigkeit übers Knie zu legen, das muss ich mir nicht geben.

Der unfähige Wasserkopf im Büro wird immer größer und die neuen „Disponenten“ nehmen schnell die Angewohnheiten der alteingesessenen an, die Fahrer wie ein Stück Dreck zu behandeln. Nur ihre Aufgaben erfüllen sie nicht. Sie sind weder eine funktionierende Kommunikations-Schnittstelle, noch halten sie uns den Rücken frei.

Wenn ich in der Nachtschicht bin, schlafe ich tagsüber und das Telefon ist aus. Sobald ich das anmache, habe ich Unmengen Anrufe in Abwesenheit und eine handvoll SMS da drauf. Was an „Ruhezeit“ haben die nicht verstanden? Morgens beim Abladen dann ein Anruf mit der Frage nach Restlenkzeit und Schichtzeit, die Antwort „noch 1,5 Stunden Lenkzeit und 2 Stunden Schichtzeit“, danach dann von der Rampe abziehen und ins Bett. Mittags 4 Anrufe und eine SMS, man möchte doch bitte das Ende der Ruhezeit angeben. Wenn ich schlafe, kann ich keine SMS schicken und wenn Ihr da im Büro nicht in der Lage seid, miteinander zu reden, ist das definitiv nicht mein Problem.

Unter den Fahrern macht sich zunehmend Unzufriedenheit breit, die ständig überfälligen Gehaltszahlungen tragen da auch nicht gerade zu besserer Stimmung bei. Sogar unsere „Quotenpolen“ sind inzwischen laut am Schimpfen und die sind von ihren vorherigen polnischen Arbeitgebern einen ziemlichen Stiefel gewohnt.

Es hat sich eine ordentliche „Mir scheissegal“-Stimmung im Fuhrpark entwickelt, die durch das Verhalten seitens der Dispo Tag für Tag gefördert wird. Klar, das Gehalt kann sich bei einer jungen Firma mal verzögern, es ist ja nicht so, dass wir da kein Verständnis aufbringen würden, wenn man uns denn darüber informieren würde. Die Lügen, die man auf telefonische Nachfrage gehört hat, wurden von Monat zu Monat unglaubwürdiger und sind das Allerletzte. Ich bin kein Kunde, mich muss man nicht anlügen.

Diesen Monat ist die Buchhaltung dann auf Tauchstation gegangen, war telefonisch nicht erreichbar, Emails mit der Frage nach dem Gehalt wurden einfach ignoriert. Echt toll, wie Ihr mit den Leuten umgeht, die für Euer Gehalt arbeiten..

Ich muss mich nicht aus dem Fenster lehnen, wenn ich behaupte, 90% der Fahrer haben innerlich schon gekündigt. Alles in allem wird die Lage immer angespannter und die Arbeit immer mehr zur Last. Die Zukunft für diese Firma sehe ich nicht und ziehe dementsprechende Konsequenzen.

Da ich ja weiß, dass die Firma hier mit liest: Über eine Idee, wie ich die nächste Woche mit leerem Kühlschrank Eure Touren fahren soll, würde ich mich freuen. Ihr dürft gerne kommentieren..

 


5 Kommentare

  1. truckstop24.net sagt am 14. 04. 2012 um 12:23

    Humor ist, wenn man trotzdem lacht, oder, wer Sarkasmus/Ironie findet, darf sie behalten.

    Glaubst Du allen Ernstes, dass hier auch nur einer aus der Firma (in leitender Position) kommentieren wird?

    Das wirklich traurige ist ja, dass man echt gewillt war, einiges mehr an Leistungen zu erbringen, als überhaupt zulässig ist, es aber in keinster Weise, und sei es nur mit einem verbalen „Danke“, gewürdigt wird – nein, da wird man noch beschimpft, wenn man sich dann nach über einem halben Jahr den Frust von der Seele schreibt, anstatt spätestens diese Marke zum Anlass zu nehmen, mal ernsthaft über die Büroführung nachzudenken!

    Du kennst mich, ich habe schon immer wesentlich mehr geleistet als gefordert, aber wenn selbst ich mittlerweile sage „ach leckt mich doch“, soll das schon was heissen. Die Buden vorher hätten es sich mal wagen sollen, mir einfach einen Sattel aufs Auge zu drücken – den hätte ich denen aber sowas von rückwärts im Büro geparkt!

    Ehrlichkeit ist wohl echt ein Relikt aus früheren Zeiten geworden … und das schlimme ist, dass selbst jetzt niemand dort erkennt, wie dramatisch es um die Firma steht!

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  2. Wex Stallion sagt am 14. 04. 2012 um 17:49

    Darf ich mal das Geschäftsmodell raten? Ich tippe auf »Moderner Fuhrleistungsbetrieb nach optimierten BWL-Gesichtspunkten«

    Zutaten:

    a.) Fuhrpark
    Grundvoraussetzung für den Fuhrpark ist eine Leasingquote von min. 90%; Trailer & Co. selbstverständlich eingeschlossen.

    b.) Kundenkartei
    Die Kundendatei besteht i.d.R. aus einem Hauptauftraggeber, der mindestens 90% des Umsatzes ausmacht.

    c.) Hoffnung.

    Wieviel Punkte hab ich? 😉

    actro Antwort vom April 14th, 2012 17:57:

    Würde mal sagen 90% der Punkte hast Du erreicht. Der Fuhrpark ist zu 100% gemietet und Trailer werden durch den Auftraggeber gestellt 😉

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  3. truckstop24.net sagt am 14. 04. 2012 um 18:25

    Der Punkt „optimierte BWL-Gesichtspunkte“ gefällt mir besonders. 😀
    Ähm, AcTro, denk an die kleinen 7,5er und die Lafetten. 😉 😛

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  4. Wex Stallion sagt am 14. 04. 2012 um 22:55

    Krieg ich noch mehr Punkte? 😀

    Egal, in fünf Minuten mehr Fakten erraten als Unternehmensberater nach zweistelligen Wochen zu sechsstelligen Zahlen. Ich sollte umschulen. 😉

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