Weckruf

Der amerikanische Congress ist dabei, eine Internet-Zensur zu etablieren. Es soll ein Gesetz durchgebracht werden, das den Einsatz von Blacklists und DNS-Sperren erlaubt. Es soll ermöglicht werden, Webseiten zu blockieren, die gegen Markenrecht oder Copyright verstoßen, mit anderen Worten: Das Internet wird in die Hand der Content-Mafia gelegt. Es würde verpflichtend für Forenbetreiber, Blogger, etc., die Posts und Kommentare ihrer User vorab zu prüfen, bevor sie veröffentlicht werden dürfen, immer mit der Gefahr im Nacken, dass die Webseite gesperrt wird.
Das wäre das Ende der freien Meinungsäußerung, somit auch das Ende des Internets wie wir es kennen.

Was wir damit zu tun haben? Viele Server und Webseiten werden in den Vereinigten Staaten betrieben, sind somit dann auch für uns nicht mehr erreichbar. Der Zugriff soll auch auf .com-, .org- und .net-Domains, die außerhalb der USA gehostet werden, ausgedehnt werden, da diese in Amerika geroutet werden und somit amerikanischer Rechtsprechung unterliegen würden. Wenn der Congress damit durchkommt, werden mit Sicherheit wieder Begehrlichkeiten geweckt, diese Zensurinfrastruktur auch bei uns durchzusetzen, das ist nur ein kleiner Schritt.

Als nächstes wird dann die freie Rede unterdrückt. Wenn so eine Infrastruktur erst etabliert ist, werden ganz schnell Kritiker des Systems mundtot gemacht, organisierter Widerstand gegen die Machthaber wird unmöglich und die gezielte Desinformation der Bevölkerung durch gleichgeschaltete Propaganda-Medien kann nur noch schwer bis gar nicht unterlaufen werden.

Es wird Zeit, aufzuwachen und die Petition bei Avaaz zu zeichnen, das geht auch von hier aus. Internationaler Protest hilft den Gegnern des Gesetzes, Argumente dagegen vorzubringen. Noch gibt es Menschen, die wie wir denken und versuchen, Zensur zu verhindern, noch können sie sich im Internet organisieren und Gehör verschaffen, lasst uns ihnen helfen.

Wie ernst die Lage ist, wird durch die Einbringung einer Zensurinfrastruktur in den DNS-Server BIND sehr deutlich. BIND wird eigentlich überall genutzt, da er sehr stabil läuft. Auch die DENIC nutzt BIND, um deutsche Domains an das Internet anzubinden. Die etwas flaue Ausrede, „man müsse diese Funktionen ja nicht aktivieren“, hat für mich ein leichtes „Geschmäckle“, das gleiche Argument habe ich irgendwie schon mal im Zusammenhang mit dem Bundestrojaner gehört..

Machtinstrumente werden immer genutzt, wenn sie erst einmal etabliert sind. Davon mal abgesehen, dass der ständige Kampf gegen die erweckten Begehrlichkeiten anstrengend ist und Ressourcen bindet, die gut für unsere Weiterentwicklung genutzt werden könnten.

Weiterführende Links:

eff.org: An Explosion of Opposition to the Internet Blacklist Bill
fightforthefuture.org
heise.de: BIND Entwickler macht sich mit DNS-Filtern unbeliebt
netzpolitik.org: American Censorship day
netzpolitik.org: Die USA auf weltweitem Feldzug
SOPA (PDF)


6 Kommentare

  1. Sandra sagt am 17. 11. 2011 um 10:55

    Hatte das schon gestern in meiner twitter timeline, mich schockiert immer wieder auf welche perfiden Ideen die Amis kommen 🙁 . Glaube aber kaum das sich dort jemand vom alten Europa beeinflussen lässt.

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  2. Amperebear sagt am 19. 11. 2011 um 16:57

    Die Beeinflussung des alten Europa ist doch wesentlich schlimmer, wenn man sich allein mal im deutschen Internet ein amerikanisches Video ansehen möchte und dann auf einen Verweis der Gema stößt, wie leid denen tut das dieses Video für den deutschen Markt nicht zur Verfügung steht. Da haben wir doch den Salat. 🙁

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  3. highwayfloh sagt am 20. 11. 2011 um 17:48

    Das Thema ist doch längst gegessen!

    Das läuft doch schon längst so…

    Vielmehr sehe ich das Problem darin, dass mit diesem Gesetz das bislang illegale Vorgehen der US-Regierung bezüglich der eingeheimsten Daten in Bezug auf den sogenannten „Terror-Act“ nachträglich legimitiert werden soll!

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  4. Sandra sagt am 20. 11. 2011 um 20:20

    Es geht doch nicht ums Datensammeln sondern das von unliebsamen Seiten die dns nicht mehr aufgelöst werden kann 😉 oder ähnliche Scherze. Wir sind da erstens zu sehr von den Amis abhängig und zweitens könnte sich unsre Bundesregierung ähnliches überlegen.

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  5. Sternchenschnuppe sagt am 23. 11. 2011 um 12:18

    Eigentlich leben wir in Europa und wir sollten zum Schutz der User etwas tun, heißt in Verteidigungsstellung gehen!

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  6. highwayfloh sagt am 24. 11. 2011 um 22:47

    Wie ich schon sagte:

    Das wird alles längst praktiziert und wurde schon längst praktiziert. Glaubt irgendjemand wirklich ernsthaft, dass es die politisch Verantwortlichen interessiert, was das „gemeine Fußvolk“ diesbezüglich empfindet?

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