Ich habe ja..

..beruflich oft mit Polizisten zu tun. Über den Verbraucherschutz habe ich auch Kontakte zur Polizei geknüpft und viele nette Beamte kennengelernt. Auch privat kenne ich einige. Bis jetzt hatte ich Respekt vor ihnen und ihrem Beruf. Sicher ist es für viele von ihnen nicht immer leicht und ich möchte auch nicht mit ihnen tauschen.

Seit der 20.00 h Tagesschau gestern habe ich aber ein ernstes Problem, die Polizei noch zu respektieren. Ich denke mal, damit bin ich nicht alleine.

Schwierig war es schon, nach der Tatsachenverdrehung der vorletzten „Freiheit statt Angst“-Demo, noch Verständnis aufzubringen für die, die den Staat, und vor allem mich, schützen sollen. Die Bilder und auch die Worte der Polizeisprecher und Politiker gestern von der Stuttgart21-Demo haben meinen Glauben in diesen Staat bis in die Grundfesten erschüttert. Ich glaube auch nicht, dass sich das jemals wieder reparieren lässt.

Die Politik hat in Stuttgart versagt, die Bürger protestieren zu Recht und das auch noch friedlich und die Polizei wird vorgeschickt, um die friedlichen Demonstranten zu verprügeln, mit Pfefferspray und Wasserwerfern zu schikanieren? Und hinterher rechtfertigt die Politik diesen völlig überzogenen Einsatz damit, die Demonstranten „hätten Ihre Kinder als Schutzschilde benutzt“..

Wo Leben wir hier eigentlich? Und vor allem: Möchte ich hier noch so leben?

Liebe Stuttgarter, lasst Euch nicht unterkriegen!

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3 Kommentare

  1. Sandra sagt am 01. 10. 2010 um 18:46

    Das Problem mit dem gewaltvollen und verletzungträchtigen Vorgehen der Polizei ist genau der Grund dafür warum ich niemals demonstrieren gehen werde. Meine Augen, Zähne und der restliche Körper ist mir dafür einfach zu schade. Eigentlich hat man ja, vorallem auf einer angemeldeten Demo, sowas wie ein Demonstrationsrecht, scheint es aber anscheinend nicht mehr zu geben 🙁 . Nennt mich feige… damit habt ihr verflixt recht…

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  2. actro sagt am 01. 10. 2010 um 19:21

    Sandra, früher war ich auf jeder Demo, von der ich meinte, sie ginge mich etwas an. Auch damals gab es schon den „schwarzen Block“ und lange war ich ein Teil davon. Aber das, was da in Stuttgart passiert ist, wäre früher nicht passiert. In China war so etwas für mich vorstellbar, hier niemals. Ich finde „Bahnhof des himmlischen Friedens“ sehr bezeichnend und hoffe, dieser Begriff wird in die Geschichte eingehen.
    Zumindest wird aber wohl der 30. September seinen Platz in der deutschen Geschichte finden, der Tag an dem das Demonstrationsrecht abgeschafft wurde..

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  3. DisasterMaster sagt am 08. 10. 2010 um 16:48

    Ich weiß nicht, wie es euch so geht…
    Ich persönlich war bisher erst einmal auf ner Demo und da war ich noch jung und unerfahren (okay eins von beiden bin ich noch immer 😉 ) und hab anschließend nen Einlauf von meinen Lehrern bekommen, weil ich dafür die Schule geschwänzt habe. Es waren wilde Zeiten damals im Osten *g*

    Aber seit der Wende werde ich persönlich das Gefühl nicht los, dass die Polizei immer die falschen schützt…
    Sind es in den neuen Bundesländern in erster Linie die rechtsradikalen Demos, die die Polizei vor den halbwegs bis zu Ende denkenden Bürgern der Gegendemos schützt, so ist es in den alten Ländern in erster Linie das Kapital, welches geschützt wird (okay, im Osten gibt es nun mal kein Kapital, welches man schützen könnte…).
    Was ich allerdings bezeichnend für die Situation in Stuttgart finde ist die Aussage einer der Verantwortungsträger in Stuttgart. Dieser hat bekannt gegeben „[..]Dieses Projekt ist schon zu weit vorangeschritten. Deswegen gibt es kein Zurück mehr.[..]“
    In gewisser Weise trifft dies genau in den Artikel vom 29.09.2010 (http://blog.actrophp.de/2010/09/betriebsbedingte-fristlose-kundigung/), denn es ist ja nicht so, als wenn Stutgart21 nicht von Beginn an mehr als Umtritten war. Ich würde es in die gleiche Liga stellen wie die Waldschlösschen Brücke in Dresden, durch die Dresden sein Weltkulturerbe-Siegel verloren hat.
    Das Volk hat in diesem Staat in etwa soviel zu sagen, wie eine Arbeiterin in einem Bienen- oder Ameisenstaat. Genau Null. Es wird gemacht, was die Königin sagt. Die Königin ist hier mit dem Kapital gleichzusetzen. Die Hormone, die die Königin der Insektenstaaten produzieren, sind hier die Lobbyisten. Und die Duftbotschaften sind die Politiker.

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