Willkommen im Kindergarten

So etwas habe ich noch nicht erlebt, mein ganzes Leben lang noch nicht. Sonntag morgen um 4.00 stand ich bei der Abladestelle. Bis ich dann leer war, war es 16.00 durch. Keine Ladestelle, ich sollte dann von einem anderen Fahrer die Ladung übernehmen, weil er erst Montag um 10.00 abgeladen werden sollte und ich ja mangels Schneeketten nicht weiter gen Norden fahren kann.

Also einmal quer durch Oslo und bei Brings umgeladen in meinen Trailer, dann wieder quer zurück. Ich bin gleich nochmal rein und hab gefragt, ob das nicht eventuell doch heute noch entladen werden könne und mit einem Mal war das gar kein Problem mehr. Um 19.00 h bin ich wieder auf meinen Parkplatz gerollt und habe mich leer gemeldet. „Ich hab heute noch nichts, morgen um 9.30 weiß ich mehr“, bekam ich zu hören. „Schön“, dachte ich mir, „bekommste wenigstens ne angenehme Nachtruhezeit rein und kannst auspennen.“ Ich hab meine Kaffeemaschine vorbereitet, den Wecker auf 7.00 gestellt und mich mit einem Film in die Koje gepackt.

Montag morgen dann Kaffee angeworfen, Katzenwäsche am Kanister bei 3° C Außentemperatur und dann bei einem Pott Kaffee gewartet, was da wohl kommen mag.
Zwischendurch noch mit einigen Fahrern von Redline geschnattert, die ich von der Fähre kannte. Es wurde Mittag, noch immer keine Ladung.

Normal bekommt der Disponent gegen 13.30 nochmal einen Schwung Ladungen rein, also habe ich kurz danach mal angerufen, um zu fragen. Kann ja nicht sein, daß man ewig irgendwo herumsteht, so verdient man kein Geld.

Ja, er hätte was, allerdings wären das 25t. Gut, leicht überladen stört mich nicht weiter, ich frage also, ob man dann auf einen 2. CMR fahren kann, damit das Gewicht zumindest auf dem Papier stimmt. Das wäre wohl kein Problem und er käme dann gleich nochmal durch mit der Adresse.

Ich gehe mir noch einen Kaffee holen bei ICA und schwatze nochmal ein bißchen mit einem der Redline-Fahrer. Kaum wieder im Fahrerhaus klingelt das Telefon, auf dem Display wird mir der Junior angezeigt. Ich gehe ran und melde mich. „Wieso lehnst Du Ladung ab?“ Ich dachte, ich höre nicht richtig. Also hab ich ihm das erklärt, was zwischen mir und dem Disponenten abgelaufen ist und mußte mir anhören, ich wäre ein Lügner. Leicht angesäuert starrte ich dann noch eine Weile auf das plötzlich stumme Telefon. Bevor ich es aus der Hand legen konnte, klingelte es erneut, diesmal der Chef dran. Das wäre ja eine bodenlose Frechheit von mir, Ladung abzulehnen und was ich mir denn einbilden würde, ich stünde ja eh nur rum. Das große Geld verdienen wollen, aber nicht dafür arbeiten wollen und noch diverse andere Sachen.
Ich habe versucht, das zu erklären, daß ich eben die Ladung nicht abgelehnt habe und auf die Ladeadresse warte, aber ich kam nicht zu ihm durch. Sein Sohn würde ihn ja niemals anlügen und der Disponent schonmal gar nicht.

Danach stand ich dann noch weitere 3 Stunden da rum, bevor ich eine neue Ladeadresse bekam. Ich habe mich gegenüber dem Disponenten nicht geäußert, wozu auch, wenn eh alles gleich gegen mich ausgelegt und mir fleißig das Wort im Mund herum gedreht wird. Mir steht diese Kinderkacke bis Oberkante Unterlippe und ich hoffe momentan nur noch, daß ich so schnell wie möglich gen Süden disponiert werde, dann kann Cheffe sehen, wie der den Scheiß von A nach B bekommt. Ich könnte wetten, daß ich auch nicht einen Cent für meine Arbeit sehen werde, er lässt sich mit 100%iger Sicherheit etwas einfallen..

Also, Leute, wenn Ihr ein Stellenangebot aus Süsel findet, macht einen großen Bogen darum. ich kann echt niemandem empfehlen, hier anzufangen..


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